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Glaubenssache - Auferstehung mitten im Leben

Glaubenssache - Auferstehung mitten im Leben
Datum
02.04.2026

Ostern – Auferstehung mitten im Leben

Wir alle kennen die kleinen Tode des Lebens. Den Moment, wenn eine Beziehung zerbricht. Wenn eine Diagnose kommt, mit der man nicht gerechnet hat. Wenn ein Traum stirbt, an dem man lange festgehalten hat. Wenn jemand stirbt, den man geliebt hat. Diese kleinen Tode hinterlassen echte Wunden. Sie fühlen sich nicht klein, sondern endgültig an.

Genau dahin führt uns die Ostergeschichte. In die Morgendämmerung voller Ratlosigkeit. Frauen machen sich auf den Weg zum Grab: erschöpft, traurig, ohne Plan. Alles, woran sie geglaubt hatten, schien tot. Aber sie gingen los. Und dann geschah das Unerwartete. Das Grab ist leer. Was jetzt?

Die Auferstehung von Jesus ist schwer zu verstehen. Aber Auferstehung mitten im Leben kennen wir. Aus eigener Erfahrung. Sie geschieht am Morgen nach der schlimmsten Nacht, wenn ein neuer Tag anbricht. In dem Gespräch, das ein zerbrochenes Verhältnis wieder heilt. In dem Moment, in dem jemand dir die Hand reicht, wenn du nicht mehr aufstehen kann. In der Kraft, die plötzlich wieder da ist, obwohl du sicher warst, sie sei längst verbraucht.

Das ist Auferstehung. Nicht die Abwesenheit des Todes, sondern das Leben, das sich durchsetzt. Das Ja, das nach dem Nein kommt. Die Überzeugung, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, auch wenn alles dafür zu sprechen scheint.

Die Frauen am Ostermorgen haben von der Auferstehung nicht viel verstanden. Trotzdem laufen sie wieder los. Sie müssen erzählen, was sie erlebt haben. Das Ungeheure des Ostermorgens kann nicht in ihnen bleiben.

Vielleicht beginnt Auferstehung nicht allein mit dem Glauben, sondern mit Bewegung. Mit dem Entschluss, trotzdem weiterzugehen. Mit dem kleinen Schritt aus dem eigenen Grab heraus, zurück in das eigene Leben und hinein in das Leben der Anderen.

Auferstehung geschieht, wo Hoffnungslosigkeit kippt. Wo etwas neu beginnt, was schon verloren schien. Mitten im Leben. Auch heute. Immer wieder, jeden Tag!

Marianne Pleines, Pfarreibeauftragte in Co-Leitung Pfarrei St. Marien