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Freiwillig da sein – Mitmenschlichkeit in stillen Stunden

Sitzwache
Datum
05.06.2026

Freiwillig da sein – Mitmenschlichkeit in stillen Stunden

Für mich ist das Engagement in der Spitalseelsorge am Kantonsspital Winterthur (KSW) mehr als eine Aufgabe. Sie ist Ausdruck meiner Überzeugung, dass kein Mensch in schweren Stunden allein sein soll. Täglich begegne ich Menschen, die Angst, Schmerzen oder Einsamkeit erleben. Oft fehlen die grossen Antworten. Doch ich erfahre immer wieder, wie wertvoll es ist, einfach da zu sein, zuzuhören und Zeit zu schenken. Gerade im Spital sind kleine Gesten oft von essentieller Bedeutung. Ein Gespräch, gemeinsames Schweigen oder eine Hand, die gehalten wird, können Trost schenken. Für mich zeigt sich darin etwas Wesentliches unseres Menschseins. Oft entsteht Hoffnung gerade dort, wo jemand aufmerksam bleibt und einen Menschen in seiner Verletzlichkeit ernst nimmt. 

Grosse Freude bereitet mir auch die Freiwillige Sitzwache, die ich zusammen mit meiner reformierten Kollegin Martina Hafner begleite. Seit 1994 engagieren sich Frauen und Männer im KSW freiwillig während der Nacht am Bett von Patientinnen und Patienten. Sie wachen, hören zu, bleiben präsent – oft in stillen und sehr persönlichen Momenten. Dieses Engagement geschieht leise, ohne grosses Aufsehen, und ist doch von unschätzbarem Wert.

Ein Mitglied der Sitzwache formulierte es einmal so: «Nach wie vor geben mir die Einsätze viel; es tut gut, jemanden unterstützt zu haben, sei es Patient oder Pflege. Wir Sitzwachenden werden sehr geschätzt; das spürt man – und auch das tut gut.»

Diese Worte bringen vieles auf den Punkt. Wer sich als Sitzwache engagiert, schenkt nicht einfach Zeit. Er schenkt Mitmenschlichkeit und Nähe. Für viele Patientinnen und Patienten, Angehörige und für das Pflegepersonal ist dies ein wesentlicher Unterstützung. Ich wünsche mir, dass sich auch künftig Menschen finden, die bereit sind, auf diese stille und wertvolle Weise für andere da zu sein.

Claudia Gabriel, Spital- und Altersheim-Seelsorgerin